Die Post ist da

Stellen Sie sich mal folgende Situation vor:

Der Postbote bringt mit seinem gelben Postauto in der fiktiven Bauernschaft „Oberbauer“ die Briefe herum. Jeden Tag, bei Wind und Wetter. Gegen 6:00 Uhr in der Früh sortiert er die Briefe und Päckchen und gegen 15:00 Uhr hat er endlich Feierabend und geht nach Hause.

Von seinem Einkommen (Beamter, einfacher Dienst) kann eine Familie versorgt werden.

Das war 1990, also vor über 25 Jahren. Damals kostete der Brief 1 DM. Das Briefporto für einen Standardbrief (20 g) entwickelte sich seitdem wie folgt:

Datum Standardbrief
ab 01.04.1989 1,00 DM (~0,51 €)
ab 01.09.1997 1,10 DM (~0,56 €)
ab 01.01.2002 0,56 €
ab 01.01.2003 0,55 €
ab 01.01.2013 0,58 €
ab 01.01.2014 0,60 €
ab 01.01.2015 0,62 €

Im Vergleich zu 1990 ist das Briefporto heute um ~21% teurer. Das hört sich viel an, jedoch hat sich der Durchschnittsverdienst im gleichen Zeitraum fast verdoppelt! Allerdings hat sich heute die Situation für den Postboten dramatisch gewandelt:

Der gute alte Postbote ist mit 55 Jahren in Frührente geschickt worden. Der Bezirk in der Bauernschaft „Oberbauer“ wird nun von drei unterschiedlichen Briefdiensten beliefert. Jeder Briefdienst hat seinen eigenen Fuhrpark und seine eigene Infrastruktur (Verteilzentren, Logistik, Verwaltung) Während die Post noch überwiegend auf Zeitverträge setzt werden bei den privaten Briefdiensten i.d.R. geringfügig beschäftigte Kräfte eingesetzt, die nach belieben ausgetauscht werden können.

Wenn bei gleichem Auftragsvolumen (Anzahl der Briefe bleibt konstant) alle Kosten steigen (Autos, Infrastruktur) dann muss eben beim Personal gespart werden.

Der Marktführer

IVZ-Anzeige-18-08-2012

Mit freundlicher Genehmigung von https://ivz-online.de

Der amerikanische Logistiker von Adrian Dalsey, Larry Hillblom und Robert Lynn gehört seit 2002 als DHL International GmbH zur Deutschen Post AG und ist Marktführer in der Branche. Als ehemaliges Staatsunternehmen und als Marktführer hat die Deutsche Post AG und das Tochterunternehmen DHL auch eine soziale Verantwortung gegenüber seinen 275.000 Mitarbeitern. Leider nimmt die DHL ihre Verantwortung nicht wahr und erwirtschaftet auf den Rücken der Mitarbeiter und Subunternehmen Millionengewinne.

Klar, die Mitbewerber wie GLS, UPS, Hermes und Andere verschärfen den Wettbewerb. Aber wofür?

Die nebenstehende Stellenanzeige aus der https://ivz-online.de (Anzeigenmarkt Tecklenburger Land, 18.08.2012) stellt klar, was der Marktführer von seinen künftigen (Mit-) Arbeitern erwartet:

  • 11,13 € pro Stunde brutto
  • 06:00 bis 16:00 an 5 Tagen zzgl. Überstunden, denn schließlich müssen alle Sendungen zugestellt werden.
  • Schwer heben, lange laufen, oft ein/aussteigen, Überkopfarbeit…
  • Befristet bis Jahresende

Zusammenfassung

Und was haben wir davon? Nichts!:

  • Der gute alte Postbote wurde zu früh nach Hause geschickt.
  • Die Angestellten der privaten Briefdienste werden nie ein Haus bauen können.
  • Immer mehr Menschen müssen sich viele kleine Jobs teilen.
  • Die Umwelt muss dreimal mehr Abgase aushalten.
  • Der Kunde wundert sich, dass die Preise nicht günstiger werden bis er schließlich selbst arbeitslos wird.

Fallen Ihnen noch andere Branchen ein in denen bei gleicher Leistung immer mehr Unternehmen Gewinne machen möchten?

Links und Quellen

  1. https://www.michael-schoefer.de/artikel/ms1268.html
  2. Statistisches Bundesamt: Verbraucherpreise
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